Albungen Flutmulde

Quelle: tu-braunschweig.de / Auftraggeber: Magistrat der Kreisstadt Eschwege

Die Ortschaft Albungen liegt zwischen den Städten Eschwege und Bad Soden-Allendorf an der Werra. Die Werra durchzieht hier in ausgeprägten Mäanderschleifen das Tal. Während sich auf der rechten Seite das Gewässer direkt an ein Hochgestade anlehnt, schließt sich auf der linken Seite ein ca. 700 m breites Vorland an, das durch die Bahnlinie Bebra-Göttingen und die Bundesstraße B 27 begrenzt wird.

Im Hochwasserfall (HQ100 = 740 m3/s) wird das gesamte Vorland überflutet. Lediglich hochliegende Teile der Ortschaft Albungen werden nicht vom Hochwasser erfasst. Ein hochwasserfreier Zugang zur Ortschaft existiert nicht. Dadurch wird die Ortschaft schon ab einem 5-jährigen Hochwasser (HQ5 = 307 m3/s) zur Insel. Sie ist dann nur noch über einen Laufsteg zu Fuß erreichbar. Ab einem 10-jährigen Hochwasser werden schließlich weite Teile der Ortschaft überflutet und es entsteht ein beträchtlicher Schaden.

Aus diesem Grund werden durchgreifende Maßnahmen zum Hochwasserschutz geplant, um die relativ häufigen Überschwemmungen der Ortszufahrt und der Bebauung zu verhindern. Die Planungen umfassen im wesentlichen:

  • die Aufweitung der natürlichen Flutmulde westlich von Albungen zur Entlastung der Werra im Ortsbereich
  • eine Überlaufschwelle am Einlauf der Flutmulde, um bei Hochwasser eine definierte Beaufschlagung der Flutmulde zu gewährleisten
  • ein Einschnürungsbauwerk (lichte Öffnungsweite b = 5,0 m; zwei seitliche Entlastungsstollen b/h = 3,0 / 1,5 m), das den Abfluss der Werra begrenzen soll.

Das Einschnürungsbauwerk war als regelloses Bauwerk geplant, das die Fischpassierbarkeit gewährleisten sollte.
Einschnürungsbauwerk, Modell M 1:27,5

Die hydraulischen Modellversuche wurden an einem Modell im Maßstab 1:27,5 durchgeführt. Das Modell umfasste die Werra von km 3+560 (Fluss-km 36,340) bis km 2+885 (Fluss-km 37,015) sowie die geplante Flutmulde vom Abzweig an der Werra bis km 1+175. Das geplante Einschnürungsbauwerk soll bei km 3+172 liegen, so dass im Modell ca. 400 m des Oberwassers und ca. 300 m des Unterwassers der Werra abgebildet wurden.

Aufgrund der schwierigen Randbedingungen ergaben sich im Planungsbereich außerordentlich komplexe Strömungsverhältnisse, so dass die rechnerisch-theoretisch ermittelte eindimensionale Spiegellinienberechnung des Planungsbüros nicht mit der erforderlichen Genauigkeit erfasst werden konnten. Die hierfür vorzunehmenden Modellversuche umfassten im wesentlichen folgende Themenkomplexe:

  • die Abflussverteilung QFlutmulde/QWerra in Abhängigkeit von der Hochwasserführung
  • die Strömungsbedingungen im Bereich des Einschnürungsbauwerks (Oberwasserverhältnisse, Durchströmung des Bauwerks, Unterwasserverhältnisse)
  • die Strömungsbedingungen an der Überlaufschwelle (Anströmung, Überlauf, Abströmung)
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